Mongolei

Die Mongolei ist ein riesiges Land und war während Jahrzehnten ein russischer Vasallenstaat. Im Rahmen der Veränderungen in Osteuropa entstand 1990 auch in der Mongolei eine Demokratiebewegung. Die ersten freien Wahlen wurden am 28. Juni 1992 abgehalten. Die Systemänderung produzierte Gewinner und Verlierer.

Die Mongolei hat nach langer Stagnation (1990–2002 +3 bis −3 %) nun ein Wirtschaftswachstum von 5,3 bis 10 Prozent; der Anstieg geht großteils auf den Dienstleistungssektor zurück, der auf fast 40 % des BIP stieg, sowie auf höhere Weltmarktpreise für Kupfer und Gold. Dieses Wirtschaftswachstum ging allerdings am armen Teil der Bevölkerung vorbei: Etwa 40 % leben unterhalb der extremen Armutsgrenze. Die schwierigen Reformjahre haben den Anteil der Privatwirtschaft zwar auf 80 % gesteigert, aber die sozialen Unterschiede und das Stadt-Land-Gefälle vergrößert. Die Schere zwischen arm und reich ist massiv aufgegangen.

In der Mongolei gibt es Zeiten extremer Kälte, welche Einwirkungen auf die Lebenserwartung der Bevölkerung hat. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 68 Jahre (2010). 2006 betrugen die Gesundheitsausgaben der Regierung 124 USDollar (Kaufkraftparität) pro Kopf. Das Gesundheitswesen ist einerseits staatlich (Kinder und Mütter bis zwei Jahre nach der Geburt ihres Kindes zahlen nichts), anderseits macht sich zunehmend eine privatisierte Medizin breit, die wie überall die Rosinen heraus pickt und wenig Gemeinnütziges (Ausbildung usw.) hervorbringt. Die Geburtenrate in der Mongolei ist deutlich höher als in der Schweiz, mit steigender Tendenz. Sie betrug 2012 20.7/1000 Einwohner. Zum Vergleich: In der Schweiz im gleichen Zeitraum 9.51/1000 Einw. Bei einer Bevölkerung von 3.18 Mio. Einwohnern betrug sie 2012: 64‘000 Kinder (Schweiz: 75‘000 Kinder bei 7 Mio. Einwohnern).

Praktisch alle Geburten in der Mongolei erfolgen in Geburtskliniken. Das National Center for Maternal and Child Health (NCMCH) in Ulan Bator ist eine von vier solchen Kliniken in der Hauptstadt der Mongolei. Das medizinische Denken ist noch stark von der sowjetischen Mentalität geprägt, da die Ärztinnen mehrheitlich dort ausgebildet wurden. Oft fehlt das Verständnis für pathophysiologische Zusammenhänge oder es mangelt an der Möglichkeit, moderne Diagnostik zu betreiben. Die Kindersterblichkeit ist 10mal höher als in der Schweiz, was ein Abbild der Qualität medizinischen Versorgung ist.