Zum Zweiten: a hard days night

Nach 2 wunderbaren Ausflugstagen einmal in Bayan-Ulgji und gestern hier in Bayankhongor, war heute wieder arbeiten vom Morgen bis spät in den Abend angesagt. Unmongolisch pünktlich wurden wir vom hiesigen Gesundheitsminister, Dr. Yondon empfangen. Wir sind positiv überrascht und hocherfreut, als wir feststellen wieviel er sich schon mit dem Thema befasst hat und auch schon erste Massnahmen in die Wege geleitet hat. So soll er schon Kontakt mit dem lokalen Fernsehsender aufgenommen haben, um eine oder mehrere Informations-ausstrahlungen über das Hüftscreening bzw. der schlechten Auswirkung des Einwickelns der Babys zu veranlassen. Auch garantiert er uns die Unterstützung von politischer Seite, um das Screeningprogramm zuverlässig durchführen zu können. Ohne zu wissen wie es weiter geht, stapfen wir unseren Mongolen tapfer über das grosszügige Spitalgelände hinterher, um im Büro von Dr. Bimba – beim zweiten diuretischen Tee- der Chefärztin der Pädiatrie sowie der allgemeinen Chefärztin vorgestellt zu werden. Diese führen uns dann auch über die verschiedenen pädiatrischen Abteilungen und einmal mehr sind wir sehr positiv überrascht. Im Vergleich zu Bayan-Ulgji wie auch zum MCH in UB (und für Reto und Petrign auch zu Khovd) wähnt man sich in einem anderen Land. Überall ist es sehr sauber, die Kinderstationen sind liebevoll mit farbigen Wänden und  (leider) Disneybildern gestaltet. Die Abläufe scheinen klar organisiert zu sein. Bayalag selber ist auch positiv überrascht. Sie erklärt uns, dass jedes Aimag die gleiche Subvention pro Spitalbett von der Regierung erhält. 

Zuerst besuchen wir das Kindersanatorium, wo anscheinend hypotrophe Kinder „aufgepäppelt“ werden. Wie in einer KiTa spielen ca. 15 Kinder in ähnlichem Alter mit vielen Plastikspielsachen und weinen anscheinend alle nach ihrer Mama. Trotzdem scheinen sie es hier schön zu haben, sie müssen im Schnitt 21 Tage bleiben. Für unser ungeschultes, mongolisch-klinische Auge machen sie nicht einen sehr hypotrophen, anämischen Eindruck. Auch sehen wir das anscheinend völlig falsch als wir bemerken, dass es nur Mädchen seien. Wir werden aufgeklärt, dass hier auch die Jungs bis zum ersten rituellen Haarschnitt lange Haare mit Schwänzli oder sonstigen mädchenhaften Frisuren haben. Bei diesem rituellen Haarschnitt, welcher als Eintritt ins Leben gilt, schneidet jedes Familienmitglied einen Büschel Haare ab. Für die Erwachsenen ein grosses Fest, wenn das Kind das Säuglings und Kleinkindesalter überlebt hat, für die Kleinen anscheinend eher eine Tortur.

Auf der pädiatrischen Intensive care sehen die 3 Kinder, die da mit ihren Müttern liegen, schon sehr krank aus. Beatmungsmaschinen oder schon nur CPAP haben sie auch in diesem Aimag keine. Um auf die Geburtenabteilung zu dürfen, müssen wir uns –wie auch damals in Ulgji- Plastiküberschuhe und unsere Schürzen anziehen. Männer und andere Angehörige, dürfen die Frauen nur durch ein kleines Fenster am Gangende sehen, zu ihren Kindern oder Enkel dürfen sie aus Hygienegründen aber nicht. 

Nach der Besichtigung werden wir auch hier um Konsilien gebeten. In 2 Fällen können wir etwas helfen und informieren, das dritte Kind ist leider aber nach einer bakteriellen Meningitis so schwer behindert, dass wir traurigerweise auch nicht weiter helfen können. 

Schon ganz erschlagen von all den Informationen warten wir im Ärztebüro auf ein vom Spital gesponsertes Mittagessen mit russischem Salat und Dumplings bevor dann am Nachmittag unsere Vorlesungen beginnen. Einmal mehr müssen wir unser „craving“ nach einem doppelten Expresso vertrösten.

Während des ersten Vortrages scheinen nicht nur wir die postprandiale Müdigkeit zu spüren aber mit der Zeit können wir die 20 Teilnehmer für unsere Vorträge gewinnen und sobald wir mit den praktischen Übungen beginnen, sind sie auch hier hochmotiviert und reissen sich gegenseitig fast die US-Sonde aus den Händen. Bei 2000 Geburten im Jahr ist es auch kein Problem genügend Babys zum Üben aufzutreiben, die Mütter schauen skeptisch aber geduldig zu, wie wir unsere Teilnehmer versuchen auszubilden. 

Bis zum Schluss zeigen sowohl die Teilnehmer wie auch wir (hier va. Petrign) vollen Einsatz.

 

 

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